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Nach 28 Jahren rauchfrei: Wie ich mit Nikotinpflastern mein Leben zurückgewann

6 min read Updated March 29, 2026

Ich bin Werner Hartmann, 51 Jahre alt, und ich lebe in Hannover. Seit dem 14. September 2024 bin ich rauchfrei. Nach 28 Jahren. Achtundzwanzig Jahre, in denen ich jeden Tag zur Zigarette gegriffen habe, in denen der Tabak mein ständiger Begleiter war, in denen ich mir eingeredet habe, dass ich es nie schaffen würde aufzuhören. Heute sitze ich hier und schreibe diese Zeilen als freier Mann. Frei vom Rauch, frei vom Zwang, frei von der Angst.

Angefangen hat alles 1996. Ich war 23, frisch ausgelernt als Industriemechaniker bei Continental in Hannover, und gehörte zu einer Clique, in der einfach alle rauchten. In den Pausen auf dem Werksgelände, nach Feierabend beim Bier in der Kneipe, am Wochenende beim Fußball schauen. Die Zigarette gehörte dazu wie das Frühstück am Morgen. Ich habe mir nie groß Gedanken darüber gemacht. Mit Mitte 20 denkt man nicht an die Konsequenzen. Man fühlt sich unsterblich.

Die ersten zehn Jahre habe ich etwa eine Schachtel am Tag geraucht. Dann wurden es anderthalb. Nach meiner Scheidung 2011 stieg ich zeitweise auf zwei Schachteln täglich. Immer Marlboro Red. Immer die gleiche Marke, immer das gleiche Ritual. Morgens die erste Zigarette noch vor dem Kaffee, dann eine auf dem Weg zur Arbeit, in jeder Pause mindestens zwei, nach dem Mittagessen sowieso, abends vor dem Fernseher eine nach der anderen. Mein ganzer Tag war um diese Zigaretten herum organisiert.

Ich habe vorher dreimal versucht aufzuhören. Das erste Mal 2008, als meine damalige Frau schwanger war. Ich habe es genau elf Tage durchgehalten. Das zweite Mal 2015, nach einem besonders schlimmen Bronchitis-Winter. Da waren es drei Wochen. Beim dritten Versuch 2019 habe ich einen Online-Kurs gemacht und immerhin zwei Monate geschafft. Aber dann kam der Stress auf der Arbeit, ein Kollege bot mir eine an, und ich war sofort wieder drin. Jedes Mal habe ich mich danach noch schlechter gefühlt als vorher. Nicht nur wegen der Niederlage, sondern weil ich wusste, dass die Zigarette stärker war als mein Wille.

Der Wendepunkt kam im August 2024. Mein Vater, 78 Jahre alt, bekam die Diagnose COPD im fortgeschrittenen Stadium. Er hatte selbst 40 Jahre lang geraucht und vor 15 Jahren aufgehört, aber die Schäden waren bereits da. Als ich ihn im Krankenhaus in Celle besuchte und sah, wie er nach jedem Satz nach Luft rang, wie er diesen Sauerstoffschlauch in der Nase hatte, wie er kaum noch die Treppe zu seiner Wohnung im ersten Stock schaffte, da hat es bei mir Klick gemacht. Nicht langsam und leise, sondern wie ein Hammerschlag. Ich habe meinen Vater angeschaut und mich selbst in 27 Jahren gesehen. Und ich wusste: Das will ich nicht.

Diesmal wollte ich es richtig machen. Kein Alleingang, kein kalter Entzug, keine halbherzigen Versuche. Ich bin zu meinem Hausarzt, Dr. Brenner in der Podbielskistraße, gegangen und habe gesagt: Ich brauche Hilfe. Er hat mich gründlich untersucht, meine Lungenfunktion getestet und mir Nikotinpflaster empfohlen. Genauer gesagt NiQuitin Clear, das Stufenprogramm über zehn Wochen.

Ich habe am 14. September 2024 mit dem Programm begonnen. Die ersten Pflaster hatten die höchste Dosierung, 21 Milligramm. Ich habe sie morgens nach dem Duschen auf den Oberarm geklebt und jeden Tag die Stelle gewechselt, wie der Arzt es mir erklärt hat. Die erste Woche war trotzdem brutal. Ja, das Pflaster nahm die schlimmste körperliche Gier, aber die Gewohnheit saß so tief, dass meine Hände ständig nach etwas suchten. In den Arbeitspausen wusste ich nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Meine Kollegen standen draußen und rauchten, und ich stand daneben wie ein verlorener Hund.

Mein Hausarzt hatte mir geraten, mir Ersatzrituale zu suchen. Also habe ich angefangen, in den Pausen spazieren zu gehen. Erst nur um den Block beim Werk, dann immer längere Runden. Ich habe mir eine Thermoskanne mit Kräutertee mitgenommen und mir angewöhnt, statt zur Zigarette zum Teebeutel zu greifen. Das klingt vielleicht lächerlich, aber diese kleinen Veränderungen haben einen enormen Unterschied gemacht. Ich habe dem Rauchen nicht einfach etwas weggenommen, ich habe es durch etwas Neues ersetzt.

Nach vier Wochen bin ich auf die mittlere Stufe gewechselt, 14 Milligramm. Und hier kam die eigentliche Herausforderung. Bis dahin hatte der körperliche Entzug nachgelassen, aber die psychischen Trigger waren noch voll da. Freitagabend, wenn ich nach einer langen Arbeitswoche auf der Couch saß und 96-Hannover gegen irgendjemand spielte, da hat mich das Verlangen fast zerrissen. Ich konnte mir ein Spiel ohne Zigarette einfach nicht vorstellen. Also habe ich angefangen, während der Spiele Sonnenblumenkerne zu knacken. Meine Freundin Claudia hat erst gelacht, aber als sie gesehen hat, dass es funktioniert, hat sie mir kiloweise welche gekauft.

Claudia war überhaupt meine größte Stütze. Wir sind seit 2021 zusammen, und sie hat nie geraucht. Sie hat mich nie unter Druck gesetzt, nie genörgelt, aber als ich ihr gesagt habe, dass ich aufhören will, hat sie mich bedingungslos unterstützt. Sie hat die Aschenbecher aus der Wohnung entfernt. Sie hat aufgehört, Wein zu kaufen, weil sie wusste, dass ich beim Weintrinken immer rauchen wollte. Sie ist mit mir abends spazieren gegangen, wenn das Verlangen kam. Sie hat an den schweren Tagen einfach nur meine Hand gehalten und gesagt: Du schaffst das. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft, da bin ich mir sicher.

In der sechsten Woche hatte ich meine schlimmste Krise. Ein Kumpel aus der alten Clique, der Torsten, feierte seinen 50. Geburtstag in einem Biergarten in der Nordstadt. Alle rauchten, der Geruch war überall, und nach dem dritten Bier hatte ich das Gefühl, als würde mein ganzer Körper nach einer Zigarette schreien. Ich bin aufgestanden, bin nach draußen gegangen und habe Claudia angerufen. Sie hat gesagt: Werner, denk an deinen Vater. Denk daran, wie er im Krankenhaus lag. Willst du das? Ich habe tief durchgeatmet, bin wieder reingegangen und habe den Abend durchgestanden. Ohne eine einzige Zigarette. Das war der Moment, in dem ich wusste, dass ich stärker bin als die Sucht.

Nach acht Wochen bin ich auf die letzte Stufe gewechselt, 7 Milligramm. Und ehrlich gesagt habe ich zu diesem Zeitpunkt kaum noch einen Unterschied gemerkt. Mein Körper hatte sich umgestellt. Mein Kopf auch. Ich habe die letzten zwei Wochen der Pflaster fast vergessen, weil ich so beschäftigt war mit all den positiven Veränderungen.

Und davon gab es viele. Nach drei Wochen konnte ich wieder richtig riechen. Ich bin an einer Bäckerei vorbeigegangen und der Duft von frischem Brot hat mich fast umgehauen. So intensiv hatte ich das seit Jahren nicht wahrgenommen. Nach sechs Wochen konnte ich die Treppen zum dritten Stock auf Arbeit hochsteigen, ohne oben zu keuchen. Nach zwei Monaten habe ich angefangen, morgens joggen zu gehen. Ich, der seit der Schulzeit keinen Sport mehr gemacht hatte. Erst nur zehn Minuten am Maschsee entlang, dann zwanzig, dann dreißig. Heute laufe ich dreimal die Woche fünf Kilometer, und letzten Monat habe ich meinen ersten Volkslauf mitgemacht. Den Herrenhäuser Frühjahrslauf, 10 Kilometer. Ich bin Letzter geworden, aber ich bin durchgekommen, und als ich über die Ziellinie gelaufen bin, habe ich geheult wie ein kleines Kind.

Mein Arzt hat bei der Nachuntersuchung im Januar 2025 gesagt, dass meine Lungenwerte sich deutlich verbessert haben. Mein Blutdruck ist runter, mein Ruhepuls auch. Ich schlafe besser, ich habe mehr Energie, und ich bin insgesamt ausgeglichener. Die Leute auf der Arbeit sagen, ich sehe jünger aus. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber ich fühle mich auf jeden Fall so.

Finanziell hat sich das Aufhören ebenfalls bemerkbar gemacht. Anderthalb Schachteln Marlboro am Tag, das waren bei den aktuellen Preisen fast 16 Euro täglich. Knapp 500 Euro im Monat. Sechstausend Euro im Jahr. Von dem Geld habe ich Claudia und mir einen Urlaub auf Mallorca gebucht, den ersten richtigen Urlaub seit fünf Jahren. Wir fliegen im Juni.

Mein Vater geht es übrigens den Umständen entsprechend. Die COPD ist nicht heilbar, aber sie ist stabil. Er hat sich unglaublich gefreut, als ich ihm erzählt habe, dass ich aufgehört habe. Er hat gesagt: Junge, das ist das Beste, was du jemals für dich tun konntest. Er hatte Tränen in den Augen.

An alle, die noch rauchen und überlegen aufzuhören: Tut es. Tut es jetzt. Wartet nicht auf den perfekten Moment, denn den gibt es nicht. Geht zum Arzt, lasst euch beraten, nutzt die Hilfsmittel, die es gibt. Die Nikotinpflaster haben mir den körperlichen Entzug erleichtert, aber den entscheidenden Unterschied haben die Menschen gemacht, die mich unterstützt haben. Sucht euch diese Menschen. Und wenn ihr einen Rückfall habt, steht wieder auf. Beim vierten Versuch hat es bei mir geklappt. Aufgeben ist keine Option.

Ich bin Werner Hartmann, 51, aus Hannover. Ich habe 28 Jahre lang geraucht. Und heute bin ich seit über 18 Monaten rauchfrei. Es ist die beste Entscheidung meines Lebens.