Mit 35 endlich frei: Wie Champix mir half, 12 Jahre Rauchen hinter mir zu lassen
Mein Name ist Anja Frank, ich bin 35 Jahre alt und lebe in Leipzig. Am 3. März 2025 habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Seit über einem Jahr bin ich rauchfrei, und ich kann mit voller Überzeugung sagen: Champix hat mir das Leben gerettet.
Ich weiß, das klingt dramatisch. Aber wenn man zwölf Jahre lang geraucht hat, wenn man jeden Morgen mit einem kratzenden Hals aufwacht, wenn man bei jedem Treppensteigen außer Atem kommt und wenn man als 34-Jährige hustet wie eine alte Frau, dann ist es nicht übertrieben. Es ist die schlichte Wahrheit.
Angefangen habe ich mit dem Rauchen mit 23, als Studentin an der Uni Leipzig. Ich studierte Germanistik und jobbte nebenbei in einer kleinen Buchhandlung in der Südvorstadt. In meiner WG rauchten alle, auf den Partys rauchten alle, und irgendwann rauchte ich eben auch. Es begann harmlos, eine Zigarette hier, eine dort, nur auf Partys, nur am Wochenende. Die klassische Geschichte, die wahrscheinlich jeder Raucher kennt. Innerhalb eines Jahres war ich bei einer halben Schachtel am Tag, nach dem Studium bei einer ganzen.
Meine Marke war Gauloises Blondes. Ich fand die Schachtel schick, den Geschmack intensiver als bei anderen Marken. Im Nachhinein war es natürlich nur die Sucht, die sich hinter vermeintlichem Geschmack versteckte. Aber damals habe ich mich als Raucherin sogar irgendwie intellektuell gefühlt. Die Zigarette zum Espresso im Cafe, das Buch in der einen Hand, die Gauloises in der anderen. Was für ein Klischee.
Mein Alltag als Raucherin sah so aus: Morgens die erste Zigarette auf dem Balkon unserer Wohnung in Plagwitz, dann eine auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause mindestens zwei vor der Tür der Verlagsbuchhandlung, in der ich seit 2018 arbeite. Nachmittags noch eine, dann nach Feierabend die Belohnungszigarette, und abends auf der Couch locker noch vier oder fünf. An stressigen Tagen mehr. Wenn Abgabetermine drückten, wenn ich mich mit meinem Freund Tom gestritten hatte, wenn einfach alles zu viel wurde, war die Zigarette mein Ventil. Mein Beruhigungsmittel. Mein bester Freund, der mich gleichzeitig zerstörte.
Ich habe zweimal versucht, auf eigene Faust aufzuhören. Einmal 2020, mitten im Corona-Lockdown, weil ich dachte, die viele Zeit zuhause würde mir helfen. Falsch gedacht. Die Langeweile und die Isolation haben alles nur schlimmer gemacht. Ich habe nach vier Tagen wieder angefangen und mehr geraucht als vorher. Der zweite Versuch war 2022, mit Nikotinkaugummis aus der Apotheke. Die haben mir zwar die schlimmste Gier genommen, aber der Geschmack war furchtbar und mein Magen hat verrückt gespielt. Nach zwei Wochen habe ich die Kaugummis in die Ecke geworfen und mir eine Schachtel gekauft.
Was hat sich 2025 geändert? Zwei Dinge. Erstens: Meine beste Freundin Marie bekam im Januar ihr erstes Kind. Als ich die kleine Ella zum ersten Mal auf dem Arm hielt, dieses winzige, perfekte Wesen, und dann an mir roch und den Tabakgestank bemerkte, habe ich mich geschämt. Zutiefst geschämt. Marie hat nichts gesagt, aber ich habe ihren Blick gesehen. Und ich habe mir geschworen: Wenn dieses Kind mich das nächste Mal sieht, dann stinke ich nicht mehr nach Rauch.
Zweitens: Meine Frauenärztin hatte mir bei der Routineuntersuchung gesagt, dass Tom und ich, falls wir Kinder haben wollten, lieber nicht mehr allzu lange warten sollten. Und sie hat klipp und klar gesagt: Mit dem Rauchen müssen Sie aufhören. Nicht nur für eine mögliche Schwangerschaft, sondern für Ihre gesamte Gesundheit. Ihre Blutwerte sind nicht gut, Ihr Blutdruck ist zu hoch für eine Frau Ihres Alters. Dann hat sie mich an meinen Hausarzt verwiesen und Champix empfohlen.
Champix, der Wirkstoff heißt Vareniclin, funktioniert anders als Nikotinersatzprodukte. Es blockiert die Nikotinrezeptoren im Gehirn, sodass der Belohnungseffekt der Zigarette ausbleibt. Gleichzeitig reduziert es das Verlangen. Mein Hausarzt Dr. Lehmann in der Karl-Liebknecht-Straße hat mir das Medikament verschrieben und einen genauen Plan aufgestellt. In der ersten Woche durfte ich noch rauchen, während das Medikament sich im Körper aufbaute. Die Dosis wurde langsam gesteigert, von einer halben Tablette einmal täglich auf eine ganze Tablette zweimal täglich.
Und dann kam der Tag X: der 3. März 2025. Mein offizieller Rauchstopp-Tag. Ich habe morgens meine letzte Zigarette geraucht, auf dem Balkon, mit Blick auf den Karl-Heine-Kanal. Ich habe sie bewusst geraucht, jeden Zug wahrgenommen und mir gesagt: Das war es. Dann habe ich die restliche Schachtel in den Mülleimer geworfen, zusammen mit allen Feuerzeugen und Aschenbechern.
Die erste Woche ohne Zigaretten war seltsam. Nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte, aber auch nicht leicht. Das Champix hat tatsächlich das körperliche Verlangen stark gedämpft. Ich hatte nicht dieses brennende, verzweifelte Bedürfnis nach Nikotin, das ich von meinen früheren Versuchen kannte. Aber die Gewohnheit war trotzdem da. Meine Hände wussten nicht wohin. In den Pausen auf der Arbeit stand ich plötzlich alleine da, während meine Kollegin Steffi draußen rauchte. Abends auf der Couch fehlte mir etwas, auch wenn ich nicht genau hätte sagen können, was.
Nebenwirkungen hatte ich, das will ich nicht verschweigen. In den ersten zwei Wochen war mir regelmäßig leicht übel, besonders morgens nach der Tablette. Mein Arzt hatte mir geraten, Champix immer mit einer vollen Mahlzeit einzunehmen, und das hat geholfen. Ich hatte auch sehr lebhafte Träume, fast schon wie Filme, die nachts in meinem Kopf abliefen. Das war anfangs beunruhigend, aber es hat sich nach etwa drei Wochen gelegt. Stimmungsschwankungen hatte ich ebenfalls, aber ob die vom Medikament kamen oder vom Entzug, kann ich schwer sagen. Tom hat es geduldig ertragen, wenn ich an einem Abend euphorisch und am nächsten gereizt war.
Was mir enorm geholfen hat, war die Rauchfrei-App der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Jeden Tag hat sie mir angezeigt, wie viele Stunden ich schon rauchfrei war, wie viel Geld ich gespart hatte und welche gesundheitlichen Verbesserungen bereits eingetreten waren. Am ersten Tag: Der Kohlenmonoxidspiegel im Blut normalisiert sich. Nach drei Tagen: Geruchs- und Geschmackssinn verbessern sich. Und tatsächlich, nach etwa einer Woche habe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig geschmeckt. Tom hat Spaghetti Bolognese gekocht, und es war, als würde ich sie zum ersten Mal essen. Die Tomaten, das Basilikum, der Knoblauch, alles so intensiv und lebendig.
Eine meiner größten Herausforderungen war das Café. Ich gehe seit Jahren jeden Samstagvormittag in die Konditorei Kiess am Thomaskirchhof, zum Frühstücken, Lesen, Zeitunglesen. Früher immer mit Zigarette dazu. Der Espresso ohne Zigarette war anfangs wie ein Konzert ohne Musik. Aber ich habe es durchgezogen. Ich habe mir stattdessen angewöhnt, mein Notizbuch mitzunehmen und zu schreiben. Ich habe früher immer davon geträumt, einen Roman zu schreiben. Jetzt, wo meine Hände nicht mehr mit Zigaretten beschäftigt sind, habe ich tatsächlich angefangen. Sechzig Seiten habe ich schon. Ob es je ein Buch wird, weiß ich nicht, aber der Prozess macht mir eine Freude, die keine Zigarette je geben konnte.
Nach zwölf Wochen habe ich Champix abgesetzt, wie vorgesehen. Und ehrlich: Ich hatte davor Angst. Ich dachte, ohne das Medikament würde das Verlangen zurückkommen. Aber es kam nicht. Nicht in der Intensität, die ich befürchtet hatte. Ja, es gab Momente. Bei der Buchmesse im April, als ich mit Verlagskollegen abends in der Kneipe saß und alle rauchten. Beim Streit mit Tom, als ich vor Wut am liebsten irgendetwas verbrannt hätte. Aber diese Momente gingen vorbei. Wie Wellen, die kommen und gehen. Und jedes Mal, wenn ich eine Welle überstand, wurde ich stärker.
Heute, über ein Jahr nach meiner letzten Zigarette, hat sich mein Leben grundlegend verändert. Ich atme tief durch und fühle, wie die Luft bis ganz unten in meine Lunge strömt. Ich gehe dreimal die Woche ins Yoga-Studio in der Südvorstadt und kann Übungen machen, bei denen ich früher nach Luft geschnappt hätte. Meine Haut sieht besser aus, meine Zähne sind weißer geworden, und ich rieche nicht mehr nach kaltem Rauch. Tom sagt, ich küsse jetzt viel besser. Das hat er natürlich immer schon gedacht, aber jetzt sagt er es auch.
Was mich besonders stolz macht: Marie bringt Ella jetzt regelmäßig zu Besuch, und das Kleine kuschelt sich an mich, ohne dass ich mir Sorgen machen muss, dass sie den Gestank einatmet. Letztes Wochenende hat Ella bei mir auf dem Arm gelacht, dieses unschuldige Babylachen, und ich habe gedacht: Dafür hat sich jede schwere Minute gelohnt.
Die finanzielle Seite ist auch nicht zu verachten. Eine Schachtel Gauloises am Tag, das waren gut 8,50 Euro. Über 250 Euro im Monat. Dreitausend Euro im Jahr. Von dem gesparten Geld habe ich mir ein neues Fahrrad gekauft, ein schönes Gazelle von einem Leipziger Händler, und fahre jetzt jeden Tag damit zur Arbeit.
Mein Rat an alle, die über Champix nachdenken: Sprecht mit eurem Arzt. Lasst euch beraten, lasst euch begleiten. Das Medikament ist kein Wundermittel, es nimmt einem nicht die ganze Arbeit ab. Aber es gibt einem die Chance, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Gewohnheiten zu ändern, die Trigger zu erkennen und neue Wege zu finden. Und es lohnt sich. Jeder einzelne Tag ohne Zigarette lohnt sich.
Ich bin Anja Frank, 35, aus Leipzig. Zwölf Jahre Raucherin. Und heute bin ich frei.