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29 Jahre Kettenraucher, dann kam Champix: Mein Neuanfang mit 52

7 min read Updated March 29, 2026

Ich bin Axel König, 52 Jahre alt, und ich lebe in Bonn. Seit dem 6. Januar 2025 bin ich rauchfrei. Nach 29 Jahren, in denen ich bis zu zwei Schachteln am Tag geraucht habe. Der Schlüssel zu meinem Erfolg war Champix, ein Medikament, das ich erst im dritten Anlauf ausprobiert habe. Und ich frage mich manchmal, warum ich es nicht viel früher getan habe.

Meine Geschichte beginnt 1996. Ich war 23, frisch eingestellt beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Bad Godesberg, und rauchte meine erste Zigarette bei der Einstandsfeier in der Kantine. Vorher hatte ich nie geraucht, nicht mal probiert. Aber an diesem Abend bot mir ein älterer Kollege eine an, und ich wollte nicht unhöflich sein. Was für ein dummer Grund, sein Leben zu ruinieren.

Innerhalb weniger Monate war ich abhängig. Erst zehn Zigaretten am Tag, dann fünfzehn, dann eine Schachtel. Roth-Händle, dann Reval, dann West, dann, als ich es mir leisten konnte, Marlboro Gold. Die Marke wechselte, die Sucht blieb. Mit Mitte 30, nach meiner Scheidung von meiner ersten Frau Monika, stieg ich zeitweise auf zwei Schachteln am Tag. Das Rauchen war nicht mehr nur Gewohnheit, es war Selbstmedikation. Gegen den Schmerz, gegen die Einsamkeit, gegen alles, was wehtat.

Mein Rauchalltag war über Jahrzehnte gleich. Die erste Zigarette morgens um halb sechs, auf dem Balkon unserer Wohnung in Beuel, bei jedem Wetter. Dann eine im Auto auf der B56 nach Bad Godesberg, eine in der Frühstückspause, mindestens drei bis Mittag, nach dem Essen sowieso, nachmittags weitere zwei oder drei, und abends auf dem Sofa der Rest. An Wochenenden, wenn ich zuhause war und nichts zu tun hatte, konnte ich locker zweieinhalb Schachteln schaffen. Die Zigarette war mein Taktgeber, mein Rhythmus, mein Metronom.

Was das Rauchen mit meinem Körper gemacht hat, wurde mir schleichend bewusst. Mit 40 fing der Husten an. Nicht gelegentlich, sondern jeden Morgen, wie ein Wecker, der mich mit einem rasselnden Brustton begrüßte. Mit 45 kam die Kurzatmigkeit. Treppen, die ich früher hochgerannt war, musste ich jetzt in Etappen nehmen, oben angekommen keuchend und mit rotem Kopf. Mit 48 diagnostizierte mein Arzt eine chronische Bronchitis. Und trotzdem rauchte ich weiter. Die Sucht ist stärker als die Vernunft, das ist die bittere Wahrheit.

Zwei gescheiterte Versuche habe ich hinter mir. 2015, mit Nikotinpflastern, drei Wochen. 2019, kalter Entzug über Silvester, eine Woche. Beide Male dasselbe Ende: ein Moment der Schwäche, eine Zigarette, und dann der Rückfall in vollem Umfang. Nach dem zweiten Versuch habe ich fünf Jahre lang nicht mehr darüber nachgedacht aufzuhören. Es schien sinnlos.

Was mich im Herbst 2024 doch noch zum Umdenken brachte, war eine Kombination aus Dingen. Meine zweite Frau Ingrid, mit der ich seit 2018 zusammen und seit 2021 verheiratet bin, hat selbst nie geraucht. Sie hat mir nie Vorwürfe gemacht, nie gedrängt, nie ein Ultimatum gestellt. Aber im Oktober 2024 hat sie mir beim Abendessen erzählt, dass ihre Arbeitskollegin, 49, an Lungenkrebs erkrankt war. Starke Raucherin, jahrzehntelang. Ingrid hat mich angeschaut und gesagt: Axel, ich will dich nicht verlieren. Nicht so.

Dann kam der Arzttermin im November. Mein Lungenfacharzt Dr. Scholz in der Südstadt hat eine Spirometrie gemacht und festgestellt, dass meine Lungenfunktion signifikant unter dem Soll für mein Alter und meine Größe lag. Er hat mir zwei Kurven gezeigt: die eine, wie es weitergehen würde, wenn ich rauche. Die andere, wie sich meine Lunge erholen könnte, wenn ich aufhöre. Der Unterschied war drastisch. Er hat gesagt: Herr König, Sie stehen an einer Kreuzung. Welchen Weg wollen Sie nehmen?

Dr. Scholz hat mir Champix empfohlen, Wirkstoff Vareniclin. Er kannte meine Vorgeschichte mit den gescheiterten Pflaster- und Kaltversuchen und meinte, dass Champix für jemanden wie mich, einen starken, langjährigen Raucher, die beste Chance bietet. Es wirkt direkt im Gehirn, an den Nikotinrezeptoren, und reduziert sowohl das Verlangen als auch die Befriedigung, die man durchs Rauchen erhält.

Im Dezember 2024 begann ich mit der Einnahme. Die erste Woche eine halbe Tablette morgens, die zweite Woche morgens und abends. In dieser Einschleichphase durfte ich noch rauchen, aber ich merkte schon ab dem dritten oder vierten Tag einen Unterschied. Die Zigaretten schmeckten anders. Nicht schlecht, aber irgendwie gleichgültig. Das intensive Belohnungsgefühl, dieses Ahh-Moment nach dem ersten Zug, wurde schwächer und schwächer. Am Ende der zweiten Woche habe ich meine tägliche Menge von allein auf die Hälfte reduziert, ohne bewusste Anstrengung.

Am 6. Januar 2025, dem Dreikönigstag, habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Ich hatte mir dieses Datum bewusst ausgesucht. Die drei Könige hatten Geschenke gebracht, und mein Geschenk an mich selbst war die Freiheit vom Rauch. Pathetisch vielleicht, aber es hat mir geholfen, den Tag als etwas Besonderes zu markieren.

Die erste Woche ohne Zigaretten war herausfordernd, aber beherrschbar. Das Champix hat den körperlichen Entzug so stark gedämpft, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, die Oberhand zu haben. Ja, es gab Momente des Verlangens. Aber sie waren nicht mehr dieses alles verschlingende Brüllen, das mich bei früheren Versuchen überrollt hatte. Es war eher ein leises Flüstern, das ich überhören konnte.

Die Nebenwirkungen waren bei mir überschaubar. Leichte Übelkeit in den ersten zehn Tagen, vor allem wenn ich die Tablette auf nüchternen Magen genommen hatte. Dr. Scholz hatte mir geraten, sie immer nach einer Mahlzeit mit einem großen Glas Wasser einzunehmen, und daran habe ich mich gehalten. Ich hatte ein paar Nächte mit ungewöhnlich lebhaften Träumen, nichts Schlimmes, eher wie ein intensiver Kinofilm im Schlaf. Nach zwei Wochen haben sich diese Nebenwirkungen weitgehend gelegt.

Meine größte Herausforderung war der soziale Aspekt. Auf der Arbeit bin ich seit Jahren Teil einer festen Rauchergruppe. Der Frank, die Sabrina und ich, wir sind jeden Tag dreimal zusammen vor die Tür gegangen. Das war mehr als eine Raucherpause, das war unser tägliches Gespräch, unser Ventil, unsere Gemeinschaft. Als ich aufhörte, fehlte mir diese Routine enorm. In der ersten Woche bin ich trotzdem mitgegangen, ohne Zigarette. Aber das war seltsam, für mich und für die anderen. Frank hat sich unwohl gefühlt, neben mir zu rauchen, und ich habe jedes Mal gegen den Impuls angekämpft, mir eine zu schnorren.

Also habe ich mir etwas Neues gesucht. Hinter unserem Gebäude gibt es einen kleinen Park am Rheinufer. Ich habe angefangen, in den Pausen dort entlangzugehen. Fünf Minuten hin, fünf Minuten zurück. Den Rhein anschauen, die Schiffe beobachten, das Siebengebirge am Horizont. Diese Spaziergänge am Wasser haben mir eine Ruhe gegeben, die ich vorher nicht kannte. Und nach ein paar Wochen hat sich die Sabrina mir angeschlossen. Sie hat gesagt, sie überlegt auch aufzuhören, und mein Beispiel hätte sie inspiriert. Im März hat sie es tatsächlich geschafft, ebenfalls mit Champix.

Ingrid hat mich durch die ganze Zeit unglaublich unterstützt. Sie hat das Wohnzimmer renoviert, neue Vorhänge, neuer Anstrich, alles, was nach Rauch roch, wurde erneuert. Sie hat die Aschenbecher, die überall herumstanden, entsorgt und stattdessen Kerzen aufgestellt. Unsere Wohnung in Beuel riecht jetzt nach Vanille und frischer Luft statt nach kaltem Rauch. Dieser Unterschied allein war eine tägliche Motivation.

Nach zwölf Wochen habe ich Champix abgesetzt. Der Übergang war sanfter, als ich befürchtet hatte. In den letzten Wochen der Einnahme hatte ich ohnehin kaum noch Verlangen gespürt, und als das Medikament wegfiel, blieb das so. Es gab vereinzelte Momente, besonders in den ersten Tagen nach dem Absetzen, in denen ein leichtes Ziehen da war. Aber es war handhabbar, etwas, das ich mit einem tiefen Atemzug und einem Glas Wasser überwinden konnte.

Die gesundheitlichen Verbesserungen waren bemerkenswert. Bei der Nachuntersuchung im April hat Dr. Scholz festgestellt, dass sich meine Lungenfunktion um zwölf Prozent verbessert hatte. Der chronische Husten war deutlich zurückgegangen, morgens wachte ich auf, ohne als Erstes zu husten. Mein Blutdruck hatte sich normalisiert, und mein Ruhepuls war von 82 auf 68 gesunken. Dr. Scholz hat gesagt: Herr König, Sie haben die richtige Kurve gewählt.

Was mich emotional am meisten berührt hat, war ein Moment im vergangenen Sommer. Ingrid und ich waren im Rheinauenpark spazieren, ein warmer Juliabend, die Sonne ging gerade unter hinter dem Siebengebirge. Wir saßen auf einer Bank am See, und Ingrid hat meinen Arm genommen und gesagt: Du riechst nach dir. Nicht nach Rauch, nach dir. Ich habe nicht gewusst, dass ich einen eigenen Geruch habe, den man wahrnehmen kann. 29 Jahre lang hatte ich ihn unter einer Schicht Tabak vergraben.

Finanziell hat sich das Aufhören massiv ausgewirkt. Anderthalb Schachteln Marlboro Gold am Tag, das waren bei den aktuellen Preisen fast 14 Euro täglich. Über 5.000 Euro im Jahr. In den 14 Monaten seit meinem Rauchstopp habe ich knapp 6.500 Euro gespart. Ingrid und ich haben davon einen zweiwöchigen Urlaub an der kroatischen Küste gebucht. Zum ersten Mal seit Jahren ein Urlaub, in dem ich nicht ständig nach einer Raucherecke Ausschau halten muss.

An alle starken, langjährigen Raucher, die denken, sie seien zu weit drin, um noch rauszukommen: Ihr seid es nicht. 29 Jahre, zwei Schachteln am Tag, und ich habe es geschafft. Champix hat mir die körperliche Entlastung gegeben, die ich brauchte, um den Kopf freizubekommen für die eigentliche Arbeit: die Gewohnheiten zu ändern, die Trigger zu erkennen, ein neues Leben ohne Zigarette aufzubauen. Sprecht mit eurem Arzt, lasst euch beraten, nehmt die Hilfe an.

Ich bin Axel König, 52, aus Bonn. 29 Jahre Raucher. Und heute bin ich der Mann, der am Rhein spazieren geht statt vor der Tür zu stehen und zu qualmen. Das ist der bessere Mann.