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Beim zweiten Versuch mit Champix hat es endlich geklappt

7 min read Updated March 29, 2026

Beim zweiten Versuch mit Champix hat es endlich geklappt

Mein Name ist Stefan Weber, ich bin 50 Jahre alt und lebe in Köln-Ehrenfeld. Ich war 27 Jahre lang Raucher, habe einmal mit Champix aufgehört und bin rückfällig geworden, und dann ein zweites Mal mit Champix aufgehört und bin geblieben. Seit dem 15. März 2025 bin ich rauchfrei. Das ist jetzt über ein Jahr, und ich bin sicher, dass es für immer ist. Warum? Weil ich beim zweiten Mal verstanden habe, was beim ersten Mal gefehlt hat.

27 Jahre im Rauch

Angefangen habe ich mit 23, 1998, als Lehrling in einer Kfz-Werkstatt in Köln-Mülheim. In der Werkstatt haben alle geraucht, der Meister vorneweg. Mein erster Griff war eine Roth-Händle, die waren in unserer Werkstatt beliebt. Stark, ohne Filter, der Geschmack von altem Deutschland. Später bin ich auf Marlboro Red umgestiegen, dann auf Lucky Strike.

Über die Jahre bin ich bei einer Schachtel am Tag gelandet, manchmal etwas mehr. Als Kfz-Meister mit eigener Werkstatt in Ehrenfeld hatte ich viel Stress: Kunden, die nörgeln, Lieferanten, die nicht liefern, Azubis, die keine Lust haben. Jede Stresssituation habe ich mit einer Zigarette gelöst. Oder besser gesagt: nicht gelöst, sondern verdrängt.

In Köln hat das Rauchen eine eigene Kultur. Im Karneval sowieso, da raucht gefühlt die halbe Stadt. Auf den Ringen, in den Brauhäusern, beim Kölsch am Tresen. Rauchen und ein Glas Kölsch, das war mein Abendprogramm. Früh’s oder Gaffel, egal, Hauptsache Kölsch und Kippe.

Meine Frau Monika hat nie geraucht. Sie hat es jahrelang ertragen, aber es hat sie belastet. Unsere Kinder, Tim und Lisa, haben schon als Kleine genörgelt: „Papa, du stinkst.” Kinder sind ehrlich. Das hat wehgetan, aber nicht genug, um aufzuhören.

Der erste Versuch: Fast geschafft

Im Januar 2022 habe ich zum ersten Mal Champix genommen. Mein Hausarzt Dr. Kessler in der Venloer Straße hat mir das Rezept ausgestellt und mich über die Einnahme und die Nebenwirkungen aufgeklärt.

Die Therapie lief gut. Ich habe das Medikament nach dem Standardschema genommen, und nach der zweiten Woche habe ich aufgehört zu rauchen. Die Nebenwirkungen waren erträglich: leichte Übelkeit, intensivere Träume, manchmal ein flaues Gefühl im Magen. Aber das Verlangen nach Zigaretten war tatsächlich deutlich geringer als bei früheren Versuchen.

Drei Monate war ich rauchfrei. 91 Tage, um genau zu sein. Und dann kam der Karneval.

Weiberfastnacht 2022. Ich stand im Gürzenich, es war laut, bunt, verrückt. Überall wurde getrunken, und vor der Tür standen die Raucher in dichten Trauben. Ein alter Kumpel, der Ralf, hat mir eine Zigarette angeboten. „Ach komm, Stefan, eine an Karneval, dat zählt nit.” Und ich habe sie genommen.

Eine Zigarette. Das war alles. Eine einzige. Aber am nächsten Tag habe ich noch eine geraucht. Und noch eine. Und eine Woche nach Karneval war ich wieder bei einer Schachtel am Tag. Drei Monate Arbeit, weg. Einfach so.

Ich habe mich danach so geschämt, dass ich niemandem davon erzählt habe. Nicht Monika, nicht Dr. Kessler. Ich habe einfach weitergeraucht und so getan, als wäre nichts passiert.

Was beim ersten Mal gefehlt hat

Im Rückblick weiß ich genau, was schief gelaufen ist. Champix hat die körperliche Abhängigkeit hervorragend behandelt, aber ich hatte keinen Plan für die psychische Seite. Ich hatte keine Strategien für Hochrisikosituationen. Ich hatte nicht gelernt, Nein zu sagen. Ich hatte mir nicht überlegt, wie ich mit Alkohol und sozialen Situationen umgehe.

Das Medikament allein reicht nicht. Es ist wie ein Werkzeug: Wenn du nicht weißt, wie man es benutzt, nützt dir der beste Hammer nichts.

Der zweite Anlauf

Drei Jahre habe ich weitergeraucht. Drei Jahre, in denen mein Husten schlimmer wurde, meine Kondition nachließ und mein Gewissen nagte. Im Februar 2025 bin ich wieder zu Dr. Kessler gegangen. Er hat mich nicht verurteilt. Er hat gesagt: „Herr Weber, die meisten Raucher brauchen mehrere Anläufe. Dass Sie wieder hier sitzen, zeigt Stärke, nicht Schwäche.”

Diesmal haben wir es anders gemacht. Neben dem Champix-Rezept hat Dr. Kessler mich an eine Rauchstopp-Gruppe überwiesen, die von der AOK Rheinland angeboten wird. Ein achtwöchiger Kurs, einmal pro Woche, mit einem Therapeuten und acht anderen Aufhörwilligen.

Und das hat den entscheidenden Unterschied gemacht.

Der Kurs, der alles verändert hat

Der Kurs fand dienstags abends in einem AOK-Gesundheitszentrum in der Innenstadt statt. Der Therapeut, Herr Förster, war selbst ehemaliger Raucher. Er wusste genau, wovon er sprach.

In der ersten Sitzung haben wir unsere Rauchbiographien vorgestellt. Jeder hat erzählt, wann er angefangen hat, warum, und warum er aufhören will. Das war emotional und kraftvoll. Plötzlich saß ich nicht allein mit meinem Problem, sondern in einem Raum voller Menschen, die das Gleiche durchmachten.

Herr Förster hat uns beigebracht, unsere Trigger zu identifizieren. Bei mir waren es: Stress in der Werkstatt, Alkohol (besonders Kölsch), Langeweile, und soziale Situationen, in denen andere rauchen. Für jeden Trigger haben wir eine konkrete Gegenstrategie entwickelt.

Stress in der Werkstatt: Fünf Minuten nach draußen gehen, aber ohne Zigarette. Tief durchatmen, kurz um den Block gehen.

Kölsch: In den ersten drei Monaten komplett auf Alkohol verzichten. Danach nur in kontrollierten Situationen trinken und immer eine alkoholfreie Alternative in der Hand haben.

Langeweile: Ein Hobby finden. Ich habe angefangen, mein altes Motorrad zu restaurieren, einen 1972er Honda CB350. Das gibt meinen Händen etwas zu tun und meinem Kopf eine Aufgabe.

Soziale Situationen: Vorher einen Satz vorbereiten. Meiner war: „Nein danke, ich bin Nichtraucher.” Nicht „Ich versuche aufzuhören” oder „Ich rauche gerade nicht”, sondern „Ich bin Nichtraucher.” Das ist ein Unterschied in der Identität, nicht nur im Verhalten.

Die Champix-Therapie beim zweiten Mal

Die Medikation war identisch. Erste Woche niedrige Dosis, ab der zweiten Woche volle Dosis, Rauchstopp am Tag 12. Diesmal habe ich den 15. März 2025 als Rauchstopptag gewählt, bewusst weit weg vom Karneval.

Die Nebenwirkungen waren ähnlich wie beim ersten Mal. Übelkeit, die ich mit Essen und viel Wasser in den Griff bekommen habe. Lebhafte Träume, an die ich mich aber schon gewöhnt hatte. Eine gewisse innere Unruhe in den ersten zwei Wochen.

Aber diesmal hatte ich die Gruppe. Jeden Dienstag saß ich dort und konnte berichten, wie die Woche gelaufen war. Die anderen haben zugehört, Tipps gegeben, Mut gemacht. Eine Frau aus der Gruppe, Ingrid, hat gesagt: „Stefan, du hast schon mal drei Monate geschafft. Diesmal schaffst du für immer.” Das hat mich getragen.

Die kritischen Momente

Der erste wirklich kritische Moment kam in der vierten Woche. Ein Kunde in der Werkstatt hat sich über eine Rechnung beschwert und mich vor meinen Mitarbeitern angeschrien. Früher hätte ich danach sofort eine geraucht. Diesmal bin ich in die kleine Küche hinter der Werkstatt gegangen, habe ein Glas Wasser getrunken, fünf tiefe Atemzüge genommen und dann ruhig zurückgegangen.

Der zweite kritische Moment: die Grillsaison. Im Mai hat mein Nachbar zum Grillen eingeladen. Frikadellen, Bratwürste, Kartoffelsalat, Kölsch. Und natürlich Raucher. Ich hatte mein alkoholfreies Kölsch dabei (Gaffel Fassbrause, schmeckt gut) und meinen Satz bereit. „Nein danke, ich bin Nichtraucher.” Hat funktioniert. Kein Drama, keine Diskussionen.

Der dritte und härteste Moment: Karneval 2026. Genau die Situation, die mich beim ersten Mal zu Fall gebracht hat. Weiberfastnacht. Ralf war wieder da. Und er hat wieder eine Zigarette angeboten.

Aber diesmal war ich vorbereitet. Ich habe ihn angeschaut, gelacht und gesagt: „Ralf, letztes Mal hat mich deine Kippe drei weitere Jahre Rauchen gekostet. Nit nochmal, Jung.” Ralf hat gelacht, mir auf die Schulter geklopft und gesagt: „Haste Recht, Stefan. Respekt.”

Ich habe an Karneval nicht geraucht. Nicht eine. Und es war der beste Karneval, den ich seit Jahren hatte. Weil ich am Aschermittwoch aufgewacht bin ohne Kater, ohne Reue und ohne Rauchgeschmack im Mund.

Was ich beim zweiten Mal gelernt habe

Die wichtigste Lektion: Rückfall ist kein Versagen, sondern ein Lernprozess. Beim ersten Mal hat mir das Medikament geholfen, aber ich war nicht vorbereitet auf die Realität des Lebens als Nichtraucher. Beim zweiten Mal hatte ich beides: die medizinische Unterstützung durch Champix und die psychologischen Werkzeuge durch den Kurs.

Wenn du Champix nimmst oder genommen hast und rückfällig geworden bist, lass dich nicht entmutigen. Geh zurück zum Arzt, sprich ehrlich darüber, und fang nochmal an. Aber diesmal mit einem Plan. Mit Strategien. Mit Unterstützung.

Das Ergebnis

Heute, über ein Jahr nach meiner letzten Zigarette, ist mein Leben messbar besser. Meine Lungenfunktion hat sich verbessert. Mein Blutdruck ist gesunken. Mein Geschmackssinn ist zurück, und das Kölsch schmeckt tatsächlich besser als je zuvor (ja, auch das alkoholfreie).

Monika hat zum ersten Mal seit Jahren gesagt, dass sie gerne neben mir einschläft, weil ich nicht mehr nach Rauch rieche. Tim und Lisa, die inzwischen 14 und 12 sind, sind stolz auf ihren Vater. Lisa hat mir zum Halbjahres-Jubiläum eine Karte gebastelt: „1 Jahr rauchfrei, Papa! Du bist der Beste!” Die hängt in meiner Werkstatt, neben dem Kalender.

Das Motorrad, die Honda CB350, ist fast fertig restauriert. Die Arbeit daran hat mir über viele schwierige Stunden geholfen. Wenn die Hände schrauben, denken sie nicht an Zigaretten.

Mein Aufruf

Wenn du einmal gescheitert bist, bist du nicht gescheitert. Du bist nur noch nicht fertig. Der Unterschied zwischen Aufgeben und Rückfall ist: Beim Rückfall stehst du wieder auf.

Sprich mit deinem Arzt über Champix. Und dann such dir zusätzlich Unterstützung. Einen Kurs, eine Gruppe, einen Therapeuten. Die Kombination aus Medikament und Verhaltenstherapie hat die besten Erfolgsraten, das sagen alle Studien, und das sage ich aus eigener Erfahrung.

Ich bin Stefan Weber, 50, Kfz-Meister aus Köln-Ehrenfeld. Ich war 27 Jahre Raucher, einmal rückfällig, und jetzt bin ich Nichtraucher. Für immer. Alaaf.